Weltkirche in Deutschland

Der Ausdruck Weltkirche in Deutschland weist hin auf die Präsenz zahlreicher Katholiken anderer Herkunft und Muttersprache. Die katholische Kirche ist auf globaler wie auch auf nationaler Ebene mit der Migrationsthematik vertraut und kann hierbei auf jahrzehntelange Erfahrungen zurückgreifen. Besonders im sozial-caritativen Bereich setzt sie sich für die Benachteiligten ein und denunziert Ungerechtigkeiten und Missstände.


Der Bereich Weltkirche in Deutschland des IWM widmet sich demgegenüber schwerpunktmäßig den Fragen der seelsorglichen Betreuung seitens der katholischen Kirche in Deutschland in Bezug auf die hier lebenden Katholiken mit Migrationshintergrund, sowie Fragen des Verhältnisses zwischen der Migrantenseelsorge und der Gemeindepastoral der Ortskirche.

 

Die Missionsbewegungen der katholischen Kirche haben im Rahmen der Inkulturation des Glaubens zu einer Pluralisierung der Glaubenserfahrungen und der damit verbundenen Ausdrucksformen beigetragen, ein Phänomen, das im Rückblick zweifellos als Bereicherung gedeutet werden kann. Durch die weltweiten Migrationsströme begegnen sich heute in zunehmenden Maße Katholiken, welche oftmals in sehr unterschiedlichen Kontexten im Glauben sozialisiert wurden.

 

Vor diesem Hintergrund sowie angesichts der häufig endgültigen Niederlassung der Zuwanderer wird die Frage nach der konkret erfahrbaren Katholizität der Kirche immer dringlicher. Damit ist der Sachverhalt gemeint, dass die Kirche sich als ein aus allen Völkern gerufenes Volk (lat.: ecclesia) versteht, das zur Gemeinschaft (griech.: koinonia, lat.: communio) berufen ist. Gerade durch die gelebte Einheit in der Vielfalt wird Kirche letztlich glaubwürdig: „Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17,21).

 

Verantwortlich: Tobias Keßler CS (kessler(at)iwm.sankt-georgen(dot)de)

In diesem Zusammenhang wächst der in Anlehnung an die Rede von der Parallelgesellschaft innerkirchlich formulierte Vorwurf, die muttersprachlichen Missionen stellten eine Art Parallelkirche dar. Umgekehrt stellt sich auch die Frage, inwieweit es der Kirche in Deutschland gelingt, in den Zuwanderern nicht nur eine Problemgruppe gesellschaftlich und kirchlich zu integrierender Individuen zu sehen, sondern sie als ebenbürtige Schwestern und Brüder im Glauben wahrzunehmen und sich gegebenenfalls durch ihre Präsenz und Andersartigkeit selbst in Frage stellen zu lassen.


Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich der Bereich Weltkirche in Deutschland des IWM vorwiegend mit den durch Migration wachsenden Herausforderungen und Chancen in Bezug auf die Gestalt einer Ortskirche, welche einheimischen und zugewanderten Katholiken erlaubt, sich als der einen Weltkirche angehörende Schwestern und Brüder wahrzunehmen und zu begegnen.

 

Verantwortlich:

Tobias Keßler (kessler(at)iwm.sankt-georgen(dot)de)