Durch die Begegnung des in sich immer kontextuell geprägten Evangeliums mit der Kultur des Menschen an bestimmten Orten wird ein lebendiger Prozess ausgelöst. Dieser ähnelt möglicherweise einer Fusion zweier kultureller Größen, die dadurch beide verändert werden. Die Christentumsgeschichte Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Europas deutet auf Transformationen seitens des Christentums und der traditionellen Kulturen hin. Diese interkulturelle Begegnung des christlichen Glaubens bringt einen wichtigen Ansatz für die Missionsgeschichtsschreibung. Es gilt das Spannungsverhältnis des Kulturkontaktes und des Kulturkonfliktes zu erkennen. Die Dynamik des Christentums, seine Transformationen, seine konkreten Erfahrungen und Auswirkungen im Kontext der unterschiedlichen Weltkulturen werden zum Untersuchungsgegenstand der Missionsgeschichte.
Die Geschichte zeugt Fehlentwicklungen und grausame Taten, doch lässt sie aber auch von der erneuernden Kraft der Frohen Botschaft sprechen. Dafür ist die Sicht der Missionierten unverzichtbar. Deren Geschichte mit der Botschaft liefert Beispiele, wie die Begegnung von christlichem Glauben und traditioneller Kultur gelingen kann. Im Vordergrund stehen die Taten Gottes auf der Seite der Missionierten im Begegnungs- und Missionsprozess.
Die Elemente der christlich-autochthonen Fusion und das daraus entstandene Neue, müssen in der Missionsgeschichte verdeutlicht werden. Auch dadurch wird ein Beitrag zum ganzheitlichen Verständnis der Mission heute ermöglicht.
Verantwortlich: Jorge Gallegos Sánchez (sanchez(at)iwm.sankt-georgen(dot)de)